House of mirrowd flowers

Unrealisierter Wettbewerbsbeitrag in der 2. Phase

Kunst am Bau

Humboldt Forum im Berliner Schloss – zentrale Treppenhalle

 

1. Erläuterungsbericht
TITEL: House of mirrored flowers
MATERIAL Aluminium, Edelstahl, Dielectric Mirrors Guardian Glass

Die Installation „House of mirrored flowers“ befindet sich im zentralen Luftraum
zwischen dem zweiten und dritten Obergeschoss des Humboldtforums. Es handelt sich um ein Treibhaus aus einer Edelstahlkonstruktion und beidseitig spiegelnden,
halbtransparenten VSG-Glasscheiben. In dessen Zentrum befindet sich eine aus
Aluminium gegossene Nachbildung des „Fensterblattes“ (bot. Monstera Deliciosa), einer global weit verbreiteten Zimmerpflanze. Haus und Pflanze sind entlang der Horizontalen nach unten symmetrisch dupliziert, so dass der Eindruck einer einfachen Spiegelung entsteht. Die Glasscheiben des Treibhauses und das auf Hochglanz polierte Edelstahlgerüst wiederum erzeugen eine tatsächliche Spiegelung der beide Aluminiumpflanzen, die sich durch die einander gegenüberliegenden Glasflächen ins Unendliche fortsetzt. Wie in einer Fata Morgana entsteht dadurch eine optische Täuschung, bei der die real doppelt gespiegelte Pflanze sich durch ihre unendliche Abbildung zum Urwald wird, der sich wie eine Erscheinung nach außen stülpt. Die eigene Perspektive, die eigene Sinneswahrnehmung wird irritiert. Die Pflanze sowie ihre Spiegelungen und Täuschungen entziehen sich den Betrachter*innen immer wieder aufs Neue.

Mit den Maßen 707 cm x 210 cm x 200 cm hängt das Objekt mittig von der Decke der Treppenhalle herab. Von jedem Standpunkt ist die Installation sichtbar. Das Umlaufen der Skulptur durch die Architektur der Treppenhalle eröffnet innerhalb das Objektes als einen ornamentalen Denkraum. Beginnend aus der Froschperspektive sehen wir von unten die Helix aus Pflanzenästen. Das kostbare, verlockende und rätselhafte Objekt löst gerade durch die Irritation und Vielschichtigkeit den Wunsch nach Verstehen aus. Umgehen die Betrachtenden das Objekt um es zu erkunden, müssen sie sich erst über die Treppenaufgänge entfernen. Auf der Höhe der zweiten Etage befindet sich das Objekt dann so nah, dass es fast greifbar wird. Von hier ist auch das Baukastenprinzip aus immer gleichen, stilisiert wirkenden Teilen sichtbar. Es wird deutlich, dass es sich um keine naturgetreue Darstellung des „Fensterblattes“ handelt, sondern um ein künstlich und mittels Algorithmen am Computer entstandenes Gebilde. Die Installation ist gedacht als visuelle Fragestellung, als eine Skulptur, deren Facetten die Komplexität der diskursiven Felder des Humboldtforums reflektiert. Binaritäten von Realität und Täuschung, Mensch und Natur, Subjekt und Objekt treten durch die Spiegelung in einen Dialog und weisen darauf hin, dass deren Definitionen von der Perspektive und Herangehensweise jedes und jeder Einzelnen bestimmt werden. Die
unterschiedlichen Fragen, die mit der Installation aufgeworfen werden, sollen zu einem respektvollen Dialog in einem diskursiv lebendigen Museum beitragen.

Text in Zusammenarbeit mit Suylan Hopmann

 

 

Ausstellung der Wettbewerbsergebnisse

Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung,

Ernst-Reuter-Haus,

Straße des 17.Juni 112, 10623 Berlin

14. April bis 4.Mai 2018

 

In Zusammenarbeit mit:

Michael Krenz